„Über etwas Unkontrollierbares nachzudenken, ist Energieverschwendung. So schafft man sich einen unsichtbaren Feind.“ (Ltd. Worf, USS Enterprise)

Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass wir in unsicheren Zeiten leben. Anfang 2020 ist die Welt, wie wir sie kannten, zusammengebrochen, und sie wird wohl auch nicht mehr werden, wie sie war.

Die Zeit schreitet voran, Dinge ändern sich. Das ist der Lauf der Welt. Dass wir im Moment in einem der größten Paradigmenwechsel der Menschheit stecken, sollte jedem und jeder langsam bewusst werden.

Ich muss mittlerweile richtig lächeln, wenn ich die wütenden Demonstrant:innen sehe, die gegen Impfungen und Masken wettern. Mir kommen sie fast schon aus der Zeit gefallen vor. Zum einen, weil es ja mit Ukraine und explodierenden Energiekosten schon wieder so viele neue Probleme gibt, und zum anderen, weil ich immer ein bisschen das Gefühl habe, die wünschen sich einfach nur das „alte Leben“ zurück.

Als die Corona-Krise ausbrach, hab ich sie nicht ernstgenommen, bis der erste Lockdown kam. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar: Das wird die neue Realität. Ich bin ein totaler Science Fiction – Fan, und in fast allen Zukunftsentwürfen für die mittelfristige Zukunft haben die Menschen Masken getragen. Je dystopischer, desto maskierter.

Ich hoffe natürlich, dass wir nicht in eine dystopische Zukunft abrutschen. Aber im Moment lässt sich das überhaupt nicht sagen. Sollte es wirklich zu schlimmen nuklearen Katastrophen kommen, haben wir die dunkelsten Dystopien, die man sich überhaupt vorstellen kann.

Kriegen wir die Kurve in Bezug auf Klimawandel und Weltgeschehen, kann es durchaus ziemlich cool werden. Es gibt einen Trend im Internet, der heißt: Solarpunk. Das sind Bilder und Visionen, die eine strahlende, lebenswerte Zukunft beschreiben. Ich bin in letzter Zeit zu einem riesen Solarpunk-Fan geworden. Ich verlinke Euch hier direkt die Google-Suche.

Im Moment stehen wir da an einem großen Scheideweg. Schaffen wir es als vereintes Europa und als Menschheit, die Krisen in den Griff zu bekommen, können richtig gute Zeiten auf uns zukommen. Mit erneuerbaren Energien, mit einer auf Gemeinwohl basierenden Wirtschaft, mit fairen Handelsbedingungen, ohne Hungersnöte oder Kriege.

Schaffen wir das nicht, werden erstmal ziemlich düstere Zeiten auf uns zukommen. Wie gesagt, die Zeiten sind unsicher, die Zeichen stehen auf Sturm, die Inflation bläst unsere Ersparnisse weg, die Energiepreise explodieren. Zum Glück sind die noch nicht so hoch, wie im Vergleich mit anderen Ländern, aber weh tut es natürlich trotzdem, wenn ein Ein-Mann-Hausmeister-Betrieb seinen Bus volltankt, und am Ende 170 Euro für den Diesel zahlen muss. Bisher war es ja nur die Hälfte, und auf dieser Rechnung basierte ja unter anderem seine gesamte Bilanz. Und dass das natürlich bisher „nur“ unseren gewohnten Wohlstand angreift, ist mir schon auch bewusst.

Und dass es nicht nur negative Auswirkungen hat, wenn die Leute plötzlich mehr mit dem Radl fahren, und die Heizung runterdrehen, und auf ihren Urlaubsflug verzichten müssen, ist ja eigentlich auch irgendwie logisch. Allerdings trifft es Menschen mit geringem Einkommen in einer Mietswohnung schon stark. Sie müssen die Mehrkosten stemmen, obwohl sie zum Teil noch nie im Urlaub waren, und ohnehin schon kostenbewusst und beim Discounter einkaufen.

Ja, wir leben in bewegten Zeiten, und es könnte blöd für die Menschheit ausgehen. Aber wir wissen es nicht. Und deshalb sollte man sich darüber nicht allzu viele Gedanken machen. Es ist ok, aktiv am Tagesgeschehen interessiert zu sein. Aber es ist ein bisschen paranoid, morgens aufzustehen, und gleich alle verfügbaren Nachrichten über den Verlauf des Krieges zu konsumieren. Es ist generell nicht gut, öfter als ein Mal am Tag Nachrichten zu hören. Da könnte man am Ende noch richtig Angst bekommen. Und Angst ist eine schlechte Begleiterin im Alltag, und es ist auch furchtbar ungesund, Angst zu haben. Angstzustände sorgen für Cortisolausschüttung im Körper. Das aktiviert unsere Fluchtreflexe, und der Stress setzt sich über das Hormon wortwörtlich in jeder Zelle fest.

Das schwächt das Immunsystem und verursacht Muskelverspannungen.

Und hier kommen wir zum Zitat aus der Überschrift: Über etwas Unkontrollierbares nachzudenken ist Energieverschwendung. So schafft man sich einen unsichtbaren Feind.

Wie wahr das doch ist, oder?

Der unsichtbare Feind kann Corona sein, der Krieg, die Inflation, der persönliche Bankrott, was auch immer. Je mehr man darüber nachdenkt, desto konkreter wird das Bild vor uns. Desto mehr Cortisol wird ausgeschüttet. Desto verspannter und krankheitsanfälliger werden wir.

Und je mehr wir gegen diesen unsichtbaren Feind kämpfen, desto schwächer werden wir. Und desto starrer im Geist.

Wenn wir es schaffen wollen, eine Solarpunk-Welt zu kreieren, müssen wir uns alle so gut es geht auf die guten Dinge konzentrieren. Nicht mit Verdrängung, sondern mit einem bewussten Verschieben des Fokus. Die schlimmen Szenarien nicht wegschieben, sondern am Rande der Wahrnehmung ablaufen lassen. Wenn dann wirklich was Unerwartetes passiert, kann man ja sofort wieder hinschauen. Man hat es ja im Augenwinkel die ganze Zeit beobachtet. Wie Eltern, die immer ein bisschen auf ihren Toddler schauen, und in dem Moment, in dem er von der Schaukel fällt, sofort reagieren. Du kennst solche Situationen vielleicht auch aus Deinem Alltag, ob mit kleinen Kindern oder ohne.

Wenn uns also eine Situation Angst macht, ist es laut des weisen Rates von Ltd. Worf das Beste, die Angst anzunehmen, aber sich nicht auf die Folgen des Noch-Gar-Nicht-Geschehenen zu konzentrieren.

Schaff Dir keinen unsichtbaren Feind. Konzentrier Dich auf das Gute. Lenke Deine Gedanken, Deine Worte und Deine Handlungen auf das Kreative, das Freundliche, das Helle. Wissend, dass es auch eine dunkle Seite gibt. Aber auf die kannst Du ja immer noch reagieren, wenn sie Dich direkt betrifft. Und nicht schon vorher. Weil, höchstwahrscheinlich kommt es nicht so schlimm, wie es sich Viele im Moment ausmalen.

„Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Das war immer schon der ganz bodenständige Ratschlag meiner Mama. Und das ist ein guter Rat. Obwohl der Satz von Worf natürlich viel cooler ist. Aber im Grunde meinen beide dasselbe: Erstmal ruhig bleiben, durchatmen, keine schlimmen Szenarios im Kopf zusammenbasteln, die eh niemals Realität werden.

Ein bisschen Angst ist ok. Wer von sich behauptet, ein vollkommen angstfreies Leben zu führen, der lügt. Wir können immer durch Schicksalsschläge geliebte Menschen verlieren, krank werden, oder anderen existentiellen Problemen gegenüberstehen. Das lässt sich nicht vermeiden. Das ist das Leben.

Ein bisschen Angst zu haben, ist normal. Aber man muss diese Ängste eben nicht aufblasen, und füttern, bis sie zu riesigen Monstern in unserem Geist werden.

Und genau dafür ist das StarTrek-Zitat bestens geeignet: Um uns dran zu erinnern, dass wir uns nur mit den Situationen oder Herausforderungen auseinandersetzen sollten, die JETZT anstehen. Und nicht mit denen, die vielleicht in irgendeiner ungewissen Zukunft auf uns zukommen werden.

Bleib zuversichtlich. Bleib im Hier und Jetzt. Schaff Dir keine unsichtbaren Feinde. Wenn Du heute glücklich bist, egal, wie Dein Leben gerade aussieht, schaffst Du Dir für Deine Zukunft zumindest eine glückliche Vergangenheit.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Franziska

    Ein schöner Artikel heute, danke dafür!
    Spannend fand ich die Mottowoche, vor allem den Teil mit Plan B…ich weiß nicht, als was ich mich die kurz vor dem Abi verkleidet hätte, als Bordsteinschwalbe wahrscheinlich nicht. Rückblickend kann ich auf jeden Fall feststellen, dass meine damals gefassten Studiums- und Lebenspläne fast alle „gescheitert“ oder zumindest sehr modifiziert wurden. Und, wie seh ich heute aus? Auch nicht arg anders. Das ist doch auch beruhigend 🙂

    1. Katrin Zwickl

      Vielen lieben Dank für Dein Kompliment, liebe Franziska! Ich freu mich riesig über den netten Kommentar! Ja, das stimmt – das Leben geht oft sehr verschlungene Wege! 🙂 Würden wir uns alle genau nach Plan entwickeln, wäre das Leben wahrscheinlich ziemlich langweilig. Und ich finde es übrigens richtig gut, wie Dein Plan B geworden ist! Mit schönen Grüßen von der coolsten Lochmütze der Welt. 😀

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