Schule lehrt die falschen Dinge!

Heute möchte ich auf ein Thema eingehen, das mir schon seit langer Zeit sehr am Herzen liegt. Warum? Weil wir alle in Bezug auf die wirklich wichtigen Themen des Lebens ziemlich doof sind.

Was? Wir sind doof? Wie kann sie sowas nur behaupten!, denkst Du jetzt vielleicht. Immerhin wissen wir doch so Vieles, nahezu alles, und alles, was wir nicht wissen, können wir schnell in Google nachschlagen.

Das ist wirklich eine sehr weit verbreitete Meinung. Wenn ich mir anschaue, wie viele Menschen mit tiefster Überzeugung wissenschaftlichen Fakten widersprechen, bestätigt mich das immer wieder in dem Eindruck, dass wir kollektiv ziemlich doof sind.

Ein Freund von mir hat mir oft erzählt, dass er, sollte er mal in einer Prüfung von seinem Professor für eine Wissenslücke gerügt werden, schon lange eine schlagfertige Antwort parat hält: „Herr Professor, ich bin froh, dass ich in einem Meer von Unwissenheit ein paar Wissensinseln hab.“

So sollte man doch eigentlich an das Leben herangehen. Immer in dem Bewusstsein, eigentlich nichts zu wissen. Das erhöht eindeutig das Potential, etwas dazuzulernen.

Früher, als ich noch viele Patient:innen behandelt hab, hatte ich immer mal wieder Menschen auf der Liege (zumeist männliche), die zu mir gekommen sind, und mir einen Vortrag darüber gehalten haben, was Google zu ihren Symptomen weiß. Die waren meistens nicht lang bei mir zur Behandlung. Wenn ich keine Lust hatte, haben die Menschen auf meiner Liege das ziemlich schnell gemerkt, und keine Folgetermine mehr ausgemacht. Oder ich hatte plötzlich unerklärlicherweise wochenlang keinen einzigen Termin mehr frei. Sorry, aber ich hab wirklich weder Zeit noch Muße, jemandem zu erklären, dass Suchmaschinen-Ergebnisse keine 20 Jahre Berufserfahrung, eine langjährige Ausbildung und unzählige Weiterbildungen ersetzen.

„Wenn Sie eh schon alles wissen, dann brauchen Sie mich ja nicht.“, war in so einem Fall meine Standardantwort.

Warum wir so doof sind? Weil wir die wirklich wichtigen Dinge im Leben einfach nicht in der Schule lernen. Und weil unsere Eltern sie auch nie gelernt haben, können auch sie uns das nicht beibringen.

In meiner Welt gäbe es schon ab der Grundschule Fächer wie „Geld und Finanzen“, „Psychologie“, „Kommunikation“, und, ganz wichtig: „Gesundheit“.

Wenn wir alle von klein die Selbstverständlichkeiten eines gesunden Lebens lernen würde, wären wir heute nicht eine zutiefst kranke Gesellschaft. Wir sind nicht zutiefst krank? Wirklich nicht? 90% aller Arbeitnehmer waren schon mindestens ein Mal wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben. Das sind oft lange Arbeitsausfälle, weil Rückenschmerzen in vielen Fällen hartnäckig sind, und zu Chronifizierung neigen. Psychische Erkrankungen wie Burnout nehmen sprunghaft zu, genau wie die sogenannten Zivilisationskrankheiten. Diabetes, Bluthochdruck, krankhaftes Übergewicht, Herzbeschwerden, und so weiter. Die Liste ist schier endlos.

Sollen wir Kindern etwa schon in so jungen Jahren etwas über Krankheiten beibringen? Nein, überhaupt nicht. Ich wünsche mir ja auch kein Fach, das „Krankheit“ heißt.

Ist Euch schon mal aufgefallen, dass in unserer gesamten Gesellschaft das Wort „gesund“ ganz selten vorkommt? „Krank“ ist dafür omnipräsent. Es ist die Krankenversicherung, es wird Krankengymnastik verordnet, es gibt ein Krankenhaus. Und auch in der gesamten Medizin geht es fast ausschließlich um Krankheiten. Ja natürlich, denkst Du jetzt vielleicht. Ist ja klar, dafür ist ja die Medizin da.

Darauf kann ich Dir nur sagen: Siehst Du, diese Sichtweise ist in unserer Kultur so tief verankert, dass wir das als normal ansehen, und nicht mal ansatzweise hinterfragen.

Ich verrate Dir was: Es gibt eine medizinische Disziplin, die nennt sich „Prävention“. Sie ist ein kleines, unbedeutendes Randgebiet, mit dem sich kein Geld verdienen lässt, und das eigentlich niemanden so richtig interessiert.

In der Welt, von der ich träume, ist die Prävention der medizinische Königsweg. Gesundbleiben statt Reparieren wäre der absolute Schwerpunkt in dem Staat, den ich auf dem Reißbrett meines Geistes entwerfe.

Die Medizin in der Welt, in der wir heute leben, schert sich nicht darum, wie jemand krank geworden ist. Es wird aufgeschnitten und medikamentös behandelt, was das Zeug hält. Es werden Rehas verordnet, und Unmengen an Geld verbrannt für Erkrankungen, die zu 100 Prozent von den Betroffenen selbst verursacht worden sind.

Und das Hauptproblem dabei ist: Wenn man sich nicht anschaut, wie jemand krank geworden ist, und man repariert dann nur diese eine Stelle, beispielsweise das Knie, aber man arbeitet nicht gleichzeitig intensiv daran, dass bestimmte Lebensgewohnheiten, die zu der Erkrankung geführt haben, ein Ende finden, wird dieser Mensch bald wieder auf der Matte stehen. Ein medizinisches Perpetuum-Mobile, das den Orthopäden die Ferraris in die Garagen spült. Aber sinnvoll ist das nicht. Und auch noch verbunden mit vielen persönlichen Leidensgeschichten. Und das einfach nur aus Nicht-Wissen. Aus fehlendem Bewusstsein. Bei allen Beteiligten.

Niemand sagt etwas dagegen, dass ein Tumor rausgeschnitten und mit allen Mitteln bekämpft wird. Natürlich kann nicht jeder Mensch, der krank wird, selber was dafür. Natürlich gibt es schwere Schicksalsschläge in Form von schlimmen Diagnosen. Dafür gäbe es ja in meiner Welt als kleine Randerscheinungen die operative und medikamentöse Therapie, und alles, was damit zusammenhängt.

Aber ein riesiger Teil aller Krankheitszustände tritt eben nicht unverschuldet und grundlos auf. Sie sind direkte Folge der individuellen Lebensführung. Dazu zählen fast alle Schmerzzustände des Bewegungsapparates. Bandscheibenvorfälle und Arthrosen passieren nicht einfach so. Die hat man sich über Jahre und Jahrzehnte selber mit viel Aufwand selber zugefügt. In meiner Welt gäbe es die nicht. Übrigens gibt es die tatsächlich nicht unter Natrurvölkern. Es ist also nicht nur Phantasterei, sondern ein real existierender Fakt, dass Degenerationen am Skelettsystem eine Folge unserer kranken Gesellschaft sind. In meiner Welt wäre Gesundsein so tief verankert wie bei vielen Naturvölkern. Es gibt Untersuchungen, die zum Beispiel beim Volk der Massai festgestellt haben, dass es bei ihnen keinerlei Arten von Arthrose gibt.

Genau das meine ich damit, dass wir die falschen Dinge in der Schule lernen. Lesen, Schreiben, Rechen – das kommt, wenn man der modernen Neurowissenschaft glaubt, ganz von selber bei einer gesunden kindlichen Entwicklung. Wir lernen ja auch Laufen und Essen ohne Lehrer oder Trainer. Einfach nur durch Beobachten, und Try and Error.

Aber die Dinge, die man eben nicht „einfach so“ lernt, die einem jemand erklären muss, die erzählt uns keiner in der Schule. Wie man Gegenstände repariert, wie man ein gutes Gespräch führt und aktiv zuhört, wie man Geld anlegt, oder was man tun kann, um möglichst lange gesund und fit zu bleiben, oder wie das Gehirn funktioniert.

Das Problem: All diese Dinge könnte man in einem 5×45-Minuten-Rahmen mit festgelegter Pause gar nicht lehren. Weil das Gehirn so nun mal nicht funktioniert. Würde ein Lehrer in seiner Ausbildung lernen, wie Lernen wirklich vonstattengeht auf einer neurobiologischen Ebene, könnte er nicht mehr in diesem Schulsystem arbeiten.

Und so setzt sich ein Kreislauf aus Nichtwissen fort, und wir werden noch eine sehr lange Zeit ein festzementiertes Schulsystem, und eben auch ein entprechendes Kranken-verwaltungs-System haben.

Prävention oder angewandte Neurowissenschaften? Pah, das ist doch was für Nerds.

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