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Ich hab die Soforthilfe zurückgezahlt

…und mich so leicht wie schon lange nicht mehr gefühlt!

Im März 2020 habe ich, wie viele andere Soloselbstständige, die Soforthilfe der Bayerischen Staatsregierung beantragt. Sie ist explizit dafür ausgezahlt worden, Fixkosten zu decken.

Da der bayerische Ministerpräsident am Freitag, den 20.03.2020 in einer öffentlichen Pressekonferenz die Menschen ermahnt hat, auch nicht zur Physio- oder Ergotherapie zu gehen, habe ich wirklich Existenzängste bekommen. Es wusste ja keiner, wie lange die Praxis geschlossen sein müsste, und wann wieder Geld reinkommen würde. So hab ich dann gleich am Samstag, den 21.3. die in Aussicht gestellte Soforthilfe beantragt, und den Antrag noch am gleichen Vormittag weggeschickt.

Bereits am Sonntag des gleichen Wochenendes kamen allerdings die ersten Schreiben der Berufsverbände und sonstigen Informationsplattformen, dass das, was der Ministerpräsident verlauten hatte lassen, überhaupt nicht stimmte. Natürlich dürften, und sollten wir auch behandeln. Es gab verschiedenste Bestimmungen, unter denen Behandlungen stattfinden dürften, die aber nach und nach immer weiter relativiert wurden.

Bereits Anfang Mai hatte ich wieder einen fast normalen Arbeitsalltag in der Praxis. „Fast“ deswegen, weil natürlich viele Absagen kamen, von Menschen, die sich krank fühlten, anderen, die in Quarantäne waren, oder sich um die Kinder kümmern mussten, die ja plötzlich alle zuhause waren.

Aber es ist trotzdem alles irgendwie gut gegangen. Natürlich hatte ich Umsatzeinbußen, aber bei Weitem nicht so drastische, wie ich zu Anfang befürchtet hatte.

Und vor allem: Ich konnte alle Fixkosten weiterhin von meinen Einnahmen bezahlen. Außerdem muss man wissen, dass zum Beispiel die Kosten für die Krankenversicherung nicht von der Soforthilfe gedeckt wurden. Das war mir zum Zeitpunkt der Antragstellung überhaupt nicht klar, weil in meinem Verständnis von Fixkosten die Krankenversicherung logischerweise inkludiert ist. Ja, so ist das halt mit unserem Rechtsverständnis. Das weicht ja in vielen Fällen diametral von der juristischen Wirklichkeit ab.

Ziemlich schnell wurde mir klar, dass ich eigentlich gar keinen Anspruch auf die Soforthilfe gehabt hätte. Aber da war das Geld ja schon auf meinem Konto. Es hat übrigens nicht mal zwei Wochen gedauert, bis es ausgezahlt worden war. Da war der Staat wirklich mal richtig schnell.

Die 5000 Euro habe ich dann die ganze Zeit über nicht angerührt. Und mit den Monaten fing das Geld richtig an, zu stören auf dem Konto. Da war zwar dieser schöne Betrag zu sehen, aber immer in dem Wissen, dass es in Wirklichkeit nicht mein Geld war.

Eine ganze Zeit lang habe ich gehofft, dass ich vielleicht einen Teil davon behalten dürfte. Immerhin hatte ich ja schon einige Wochen im Kalender, in denen ich wirklich grade mal die Fixkosten decken konnte.

Den letzten Anstoß gab mir dann ein befreundeter Steuerberater. Ich hatte ihm mehr nebenbei erzählt, dass ich die Soforthilfe erhalten habe, und dass ich sie eben jetzt in der Steuer angeben werde.

Da wurde er ganz nachdenklich und meinte: Schick mal lieber die Steuer nicht weg. Lies Dir nochmal den Bescheid durch, weil es fast so ausschaut, als könnte die Sachlage als Subventionsbetrug gewertet werden. Der Betrag ist wirklich nur für die Deckung der Fixkosten ausbezahlt worden, und nicht, um Umsatzeinbußen aufzufangen.

Daraufhin wurde ich sehr hellhörig. Er meinte auch, dadurch, dass die Soforthilfe auf einem gesonderten Formblatt in der Steuererklärung angegeben werden müsste, kann es sein, dass alle, die das Formblatt mitschicken, extra geprüft werden.

„Aber ich bin ja nicht Dein Steuerberater. Das sind nur so meine Überlegungen dazu. Die Strafen für sowas sind halt echt drastisch. Das kann sein, dass die Strafe genauso hoch ist, wie die ausbezahlte Subvention.“

Damit traf er bei mir einen Nerv. Ich hatte ja die ganze Zeit schon ein ungutes Gefühl gehabt.

Am nächsten Morgen nahm ich mir also den Bescheid nochmal vor, und da stand genau das, was er gesagt hatte. Sowohl die Info mit den Fixkosten, als auch gleich die Strafandrohung. Da war für mich sonnenklar: Das Geld hat noch nie mir gehört. Es kann ja immer mal schlechte Jahre geben in einem Selbstständigen-Leben, das muss man eigentlich schon selber stemmen können, wenn man ein stabiles Unternehmen hat.

Auf dem Bescheid war auch eine Telefonnummer angegeben. Kurzerhand rief ich dort an. Eine sehr nette Dame ging ans Telefon. Ich erklärte ihr kurz meine Lage, wie ich in Panik die Hilfe beantragt hatte, dass es dann doch nicht so schlimm wie erwartet gekommen ist, und dass ich zwar dankbar bin, für die Sicherheit, die mir das Geld gegeben hätte, ich es aber nicht gebraucht hatte, und jetzt zurückgeben möchte.

Es war wirklich ein sehr nettes Telefonat. „Da freuen wir uns aber!“ sagte sie, und „Das ist überhaupt kein Problem. Ich schicke Ihnen einfach die Bankverbindung und den Verwendungszweck, dann können Sie es uns zurücküberweisen.“

Innerhalb kürzester Zeit war die sehr freundliche Email da, und ich tätigte sofort die Überweisung.

Jetzt sind zwar auf meinem Konto 5000 Euro weniger, aber dafür fühle ich mich unendlich leicht und befreit. Und auf der Steuererklärung brauche ich jetzt kein gesondertes „Formular G“ ausfüllen, und weiß, dass das Geld, das ich auf dem Konto habe, wirklich mir gehört.

Als ich meinem Steuerberater-Kumpel eine Nachricht geschrieben, und ihm erzählt hab, dass ich die Subvention zurückgezahlt hab, war seine sehr schöne Antwort:

„Eine wirklich gute Idee. Es ist zwar nicht sicher, ob wirklich alle Anträge nochmal geprüft werden, aber für Deine innere Mitte und Dein Karma ist es auf jeden Fall die bessere Entscheidung!“

Ja, das finde ich auch. Genau so fühlt es sich an – nach gutem Karma und innerer Stabilität.

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