Fit und gesund

10 Punkte, wie Du einen guten Physiotherapeuten findest:

Der Gesundheitsmarkt ist voll, die Konkurrenz groß, das Angebot nahezu unüberschaubar. Wie findest Du auf diesem verwirrenden Markt den besten Physio für Dich?

Was macht einen guten Physiotherapeuten aus, was eine gute Praxis? Hier ist eine 10-Punkte-Checkliste, die Dir helfen soll, die bestmögliche Wahl für Dich zu treffen.

Wichtig für Dich: hier geht es gerade wirklich nur um Physiotherapie, nicht um Körpertherapie im Allgemeinen. Es geht nicht um Wellness, Massagen oder andere wohltuende Anwendungen, sondern darum, wie Du am besten eine kassenzugelassene Praxis für Deine Verordnung über Krankengymnastik, Lymphdrainage, Manuelle Therapie oder ähnlichem finden kannst.

1. Die Räumlichkeiten

Es ist weniger wichtig, wie groß und repräsentativ eine Praxis ist, sondern eher um einen ersten Eindruck: wirkt alles sauber und ordentlich? War auch vor Corona schon Desinfektionsmittel am WC? Geht man mit Straßenschuhen direkt in das Behandlungszimmer, wo man wenige Minuten später barfuß ist? Wie ist die Organisation, werden neue Patienten gut in den Ablauf in der jeweiligen Praxis eingeführt? („Hier können Sie ihre Jacke aufhängen, Schuhe hinstellen, sich hinsetzen, usw.)

2. Sauberkeit

Musst Du als Patient Dein eigenes Handtuch mitbringen? Wenn ja, ist das meistens zu kurz für eine Behandlungsliege – wird der Bereich, wo Deine Füße auf der Liege liegen, extra abgedeckt? Oder liegen Deine Füße und Unterschenkel auf einer Liege, wo vor Dir schon 20 andere Füße gelegen sind?

3. Liege und Lagerungsmaterial

Wird die Liege nach der Behandlung desinfiziert oder der Bezug für jeden Patienten gewaschen? Genau wie die Kissen: bekommt jeder Patient einen neuen Bezug oder eine frische Auflage? Oder berührt Dein Kopf Teile des Kissens, oder sogar das ganze Kissen, auf dem zuvor schon andere Patienten gelegen sind?

4. Händewaschen

Ganz wichtig: waschen sich alle Therapeuten in der Praxis wirklich nach jeder Behandlung die Hände? Das ist ja leicht nachzuprüfen – in der eigenen Wartezeit verlässt ja immer mal die ein oder andere Therapeutin einen Behandlungsraum. Ist der erste Gang grundsätzlich zum Waschbecken? (Leider ist das nicht in allen Praxen eine Selbstverständlichkeit. Vielleicht hat C*** da ein Umdenken angestoßen.)

5. Der/die Therapeut*in

ist sie freundlich, ausgeglichen und offen für Dich als Patient? Hört sie geduldig zu, vernachlässigt aber trotzdem nicht ihre Behandlung an Dir? Redet sie wenig über sich und stellt Dich als Patient uneingeschränkt in den Mittelpunkt?

6. Fortbildungen

Es ist gar nicht so wichtig, ob jemand viele Fortbildungen hat. Berufsanfänger sind auch oft sehr gute Physiotherapeuten, weil sie zwar wenig Erfahrung, dafür aber große Akribie haben. Das wichtigste ist sowieso, dass Du als Patient das Gefühl hast, der Therapeut liebt das, was er tut. Egal, ob er schon zwanzigtausend Euro für Fortbildungen ausgegeben hat, oder nicht.

7. Die Zeit

das ist wohl eines der wichtigsten und aussagekräftigsten Kriterien! Da die Krankenversicherungen ohnehin nur noch lächerliche 20 Minuten für eine Einheit KG oder MT bezahlen, bei Lymphdrainage ist es je nach ärztlicher Verordnung 30 Minuten, 45 oder 60 Minuten, ist es entscheidend, ob Du auch wirklich die vollen 20 Minuten bekommst. Zählt das An- und Ausziehen zur Behandlungszeit? Ist die Therapeut*in auch wirklich pünktlich bei Dir? Jede kleine Verspätung macht da viel aus – aus 20 werden dann ganz schnell 17 Minuten oder weniger. Ein Mal kann das schon passieren, wenn Du aber merkst, das ist die Normalität in der Praxis Deiner Wahl – such Dir schnell eine Neue!

8. Die Drei-Patienten-pro-Stunde-Idiotie

Das gehört auch noch zum Thema Zeit, muss aber in einen eigenen Punkt. In den allermeisten Physiotherapie-Praxen werden pro Therapeut drei Patienten pro Stunde durchgeackert. (Die Chefs sagen, das rechnet sich sonst nicht. Das mag schon sein, aber wenn man lieber Geld verdient, als einen guten Job zu machen, sollte man keinesfalls!!! Physiotherapeut werden, liebe Praxisinhaber. Nur so am Rande.) Wenn man sich das ausrechnet: 3×20 Minuten…das kann gar nicht funktionieren! Händewaschen dauert mindestens eine Minute, der Weg von einem Raum zum Waschbecken zum nächsten Patienten auch noch mal ein paar Sekunden. Also verzichtet die Therapeutin entweder auf Hygiene, oder schwupps – die Behandlungszeit geht dafür drauf. Such´s Dir aus. Es gibt auch heute immer noch Chefs, die machen zwei Patienten pro Stunde. Da bleibt auch für die Therapeutin mal Zeit, einen Schluck zu trinken und in Ruhe auf´s Klo zu gehen. Oder man macht 5 Patienten in 2 Stunden. Auch so bleiben dazwischen ein paar Minuten für die Hygiene und zur Entlastung der Mitarbeiter.

9. Motivation und Übungen

Kann Deine Therapeut*in Dich motivieren, auch selbst zuhause weiter zu üben? Zeigt er Dir wenige, einfache, aber trotzdem effektive Methoden, wie Du Dich selber gesund und beweglich halten und Deine Beschwerden in den Griff bekommen kannst? Über- oder unterfordert er Dich nicht, sondern passt sich an Dein mentales und körperliches Leistungsniveau an? Wir sind nicht alle Freizeitsportler und Fitnessfans, wollen aber trotzdem gesund und fit werden und bleiben.

10. Magst Du Deine*n Physio?

Fühlst Du Dich wohl mit ihm/ihr, angenommen, gesehen? Ist die Therapie abwechslungsreich und kreativ? Freust Du Dich auf die Zeit in der Physiopraxis Deiner Wahl, oder ist es eher ein Pflichtgefühl?
Immerhin duschen sich die meisten Patienten vor der Behandlung, müssen hinfahren, sich an- und ausziehen, investieren für 20 Minuten Behandlung oft eine Stunde oder mehr Zeitaufwand. Lohnt sich der Aufwand dafür, oder bist Du eher gestresst deswegen?
Wie einer meiner Mentoren, Veit Lindau, sagt: folge der Freude!

Und jetzt viel Erfolg bei der Therapeutensuche oder viel Freude beim Abchecken Deiner aktuellen Praxis.

Und natürlich: gute Besserung! (Denn bezahlte Therapie gibt es ja leider bei uns nur, wenn Du schon krank geworden bist. Aber, wie Michael Ende so schön schreibt: das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.)

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